Geschichte

Erinnerungen sind wichtig. Das Haus der Barmherzigkeit blickt auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurück. Und wir halten sie genauso hoch wie unsere Zukunft.

Die Grafik "Zeitstrahl" bildet die gesamte Geschichte des HB ab.

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Wien, Mitte des 19. Jahrhunderts

Jede/r vierte BewohnerIn in Wien stirbt an Tuberkulose. Schwindsucht, Unterernährung oder Rachitis machen zahllose Menschen zu chronisch Kranken. Wer als „hoffnungslos und unheilbar krank“ gilt, wird verstoßen.

Franz Eipeldauer gründet die Bruderschaft zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit, die als ihre Hauptaufgabe die Führung eines Hauses für "arme, verlassene, schwer- und unheilbar Kranke unabhängig von Glaubensbekenntnis und Nationalität" sieht. Er gewinnt den Orden der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul zur Betreuung.

1875

Am 20. Juli 1875 kommen aufgrund eines Gestellungsvertrags vier Schwestern mit ihrer künftigen Oberin, Schwester Theresia Küpper, von Graz nach Wien.

Am 23. Juli treffen die ersten 22 "unheilbaren Kranken" in der Vinzenzgasse ein. Die PatientInnen werden gepflegt und auch medizinisch versorgt. Damit wird das Haus der Barmherzigkeit zum Vorbild vieler ähnlicher Institutionen im In- und Ausland und kann als "Geburtsstätte der Geriatrie" bezeichnet werden.

1900

Im Jahre 1900 hat das Haus der Barmherzigkeit bereits 500 Betten. Das schnelle Wachstum ist nicht zuletzt auf die zahlreichen Spenden von Privatpersonen zurückzuführen. Im Gästebuch finden sich Eintragungen von Kaiser Franz Joseph, Kaiserin Elisabeth und ihrer Tochter Marie Valerie.

1903

Aufgrund einer großzügigen Spende des Fürsten Johann II. von und zu Liechtenstein wird eine Liegenschaft im niederösterreichischen Kirchstetten gekauft. Hier eröffnet 1903 das Pflegeheim Clementinum. Es dient mit seiner Landwirtschaft auch als Lebensmittellieferant für das Haus der Barmherzigkeit in Wien.

1934

Im Oktober 1934 stehen 375 Frauen und 95 Männer in Pflege, mehr als die Hälfte davon sind bettlägerig. Behandelt werden: Alterskrankheiten, Nervenkrankheiten, Gelenksleiden, Geschwülste, Luestische Folgeerscheinungen (Syphilis), Tuberkulose und sonstige vor allem innere Leiden. (Zitat aus der Festschrift "60 Jahre Haus der Barmherzigkeit")

1935

Theodor Kardinal Innitzer besucht aus Anlass des 60jährigen Jubiläums BewohnerInnen des Hauses in der Vinzenzgasse.

Anstaltsarzt Dr. med. Hans Mras zitiert in der Festschrift "60 Jahre Haus der Barmherzigkeit" Immanuel Kant: "Der unheilbar Kranke will so behandelt und gepflegt sein, als wäre seine Krankheit heilbar, als vermöchte ärztliche Kunst sein wertvollstes, sein Leben zu erhalten, und zwar so, dass es für ihn auch lebenswert ist." Zu dieser Zeit werden im Haus 470 Kranke versorgt - und nie steht ein Bett leer!

1939

Mit 1. Juli 1939 wird das Haus vom NS-Regime enteignet und wird nun "Wiener Städtisches Altersheim Währing" genannt. Die geistlichen Schwestern sind ab diesem Zeitpunkt nur mehr als Hilfskräfte geduldet. Im Rahmen des NS-Euthanasieprogramms verschwinden nach und nach PatientInnen, Alte, Kranke, aber auch Kinder. Die Schwestern versuchen die verbliebenen Kinder zu retten.

1939-1945

Zwei Überstellungen in die Nervenheilanstalt "Am Steinhof" sind dokumentiert. Am 23. Oktober 1942 werden elf Kinder dorthin gebracht, die, wie die Chronik des Hauses festhält, "in kürzester Zeit, in manchen Fällen schon nach wenigen Tagen starben". Aus dem Clementinum in Kirchstetten wird eine größere Anzahl Epileptiker abgeholt. Fast alle sterben einen beabsichtigten Tod. Mit Sicherheit gibt es weit mehr Opfer als Namen bekannt sind.

Für sie alle wurde im Jahr 2002 eine Gedenktafel aufgestellt.

1945

Am 15. Jänner 1945 wird das Haus der Barmherzigkeit durch einen Bombenangriff fast völlig zerstört. "Die Anteilnahme der Wiener Bevölkerung an dem Schicksale des Haus der Barmherzigkeit ist sehr groß und schon hört man Stimmen, wenn dieses Haus wieder aufgebaut werden sollte, geben wir gern unser Scherflein dazu", schreibt Schwester Fidelia Stelzer in einem Bericht. Bei dem Angriff werden alle schriftlichen Unterlagen vernichtet. Über die Opfer des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms ist daher fast nichts bekannt.

1954-1960

1954 kann nach Restitution in kirchliches Eigentum und Überwindung zahlreicher Hindernisse der Wiederaufbau begonnen werden. Architekt des Neubaus ist Otto Nobis.

1965-1982

1965 wird eine eigene Station für mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche eröffnet, aus welcher sich ein Betreuungsschwerpunkt für Menschen mit Behinderungen entwickeln sollte.

1970 wird das Haus in Wien-Währing mit der Eröffnung des Antonigasse-Trakts erweitert, 1978 und 1982 werden neue Bauten in der Teschnergasse und Mitterberggasse errichtet.

1976

Personalmangel ist im Bereich der Krankenpflege weit verbreitet. Jugoslawische Franziskanerinnen helfen bei der Pflege. Viele können auf Grund mangelnder Deutschkenntnisse jedoch nicht voll zur Betreuung der Kranken eingesetzt werden. Auch über die Zeitung sucht das Haus der Barmherzigkeit nach Hilfskräften. Gute Entlohnung wird versprochen. Gefordert werden "lediglich Pflichtbewusstsein und ein Herz für die Kranken".

1977

Franz Kardinal König ehrt freiwillige MitarbeiterInnen. Vor dem Hintergrund des Mangels an Krankenpflegekräften tritt der Wert ihres Engagements besonders deutlich hervor.

1983

Am 11. September 1983 besucht Papst Johannes Paul II. das Haus der Barmherzigkeit. "Kranke und alte Menschen, Behinderte und Pflegebedürftige", sagt der Papst, "zeigen uns in einer besonderen Weise, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind und zutiefst zusammengehören".

1985

Ein neuer Trakt mit Pflegestationen wird in der Vinzenzgasse eröffnet.

1988

Die Heilstättenschule eröffnet einen neuen Schulraum in der Vinzenzgasse. 1996 wird eine pädagogische Leitung auf den "Behindertenstationen" im Haus Vinzenzgasse eingerichtet. Damit leitet das Haus der Barmherzigkeit einen Reformprozess in der Betreuung von Menschen mit Behinderung ein.

1998

1998 kommt es zu einem Vorfall, der das Haus in seinen Grundfesten erschüttert. Ein ehemaliger Seelsorger wird bei einem Übergriff auf einen behinderten Bewohner beobachtet und in der Folge gerichtlich verurteilt. Der Erzbischof von Wien, unter dessen Patronanz das Haus der Barmherzigkeit steht, gibt dem Haus eine neue Struktur und den Auftrag es als Einrichtung mit Vorbildcharakter in die Zukunft zu führen.

1999

1999 Beginn der Übersiedlung der Menschen mit Behinderungen in kleine gemeinwesenorientierte Wohngemeinschaften (HABIT).

2003

2003 wird rechtzeitig zum 100. Jubiläum des Clementinum in Kirchstetten der Pflegeheimneubau eröffnet. Das Haus bietet Platz für 90 BewohnerInnen.

2004

Am Standort Clementinum in Kirchstetten wird eine HABIT-Wohngemeinschaft und ein basales Tageszentrum eröffnet.

2005

2005 wird das geriatrische Pflegekrankenhaus in der Seeböckgasse in Wien-Ottakring eröffnet. 350 BewohnerInnen übersiedeln aus dem Stammhaus in der Vinzenzgasse in die auf Betreuung von hochbetagten und chronisch kranken Menschen spezialisierte Pflegeinrichtung. Rund um die Uhr steht ein Ärzteteam zur Verfügung, ergänzt wird dieses durch individuelle Pflege und umfassende Therapie- und Freizeitangebote.

Am 27. September 2005, dem Namenstag ihres Ordensstifters Hl. Vinzenz von Paul, werden die letzten geistlichen Schwestern in ihre Ordenszentrale nach Graz abberufen. Sie werden feierlich verabschiedet und für ihren 130-jährigen Dienst im Haus der Barmherzigkeit bedankt.

2006

2006 öffnet das zweite Pflegekrankenhaus des Haus der Barmherzigkeit in der Tokiostraße in Wien-Donaustadt seine Pforten (Architekt Peichl & Partner). Der moderne, fünfgeschossige Bau bietet Platz für 270 BewohnerInnen. Ihnen werden individuelle Pflege, modernste Medizin und umfassende Therapiemöglichkeiten geboten. Weitere Schwerpunkte sind geriatrische Rehabilitation und Kurzzeitpflege.

2008

Im Juli 2008 übergibt der Gründerorden der "Schwestern Servitinnen" die Leitung des Pflegeheims St. Josef in der Haymogasse in Wien-Mauer an das Haus der Barmherzigkeit, mit dem Ziel dieses grundlegend neu zu gestalten und in die Zukunft zu führen.

2009

Die WG Otto Herschmanngasse eröffnet in Wien-Simmering, gleich bei der Gasometer City.

2010

Das Haus der Barmherzigkeit feiert sein 135jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass findet ein Festakt mit Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, Erzbischof Dr. Kardinal Christoph Schönborn, Bürgermeister Dr. Michael Häupl, Fürstin Marie von und zu Liechtenstein, Michael Köhlmeier ua. statt.

2010 erfolgt der Spatenstich für einen neuen Standort in Niederösterreich: In Poysdorf entsteht ein Pflegeheim für 120 BewohnerInnen, das in Hausgemeinschaften mit ca. 15 BewohnerInnen pro Wohneinheit gestaltet ist.

Zwei neue HABIT-Wohngemeinschaften für schwer- und mehrfachbehinderte Menschen eröffnen. Die beiden Wohngemeinschaften in der Attemsgasse in
Donaustadt und in der Rotenhofgasse in Favoriten sind Teil des Ausgliederungsprojektes aus dem Otto Wagner Pflegezentrum, werden von der Stadt Wien gefördert und von HABIT (Haus der Barmherzigkeit Integrationsteam) betrieben.

Seit Oktober gehört das Horner Stephansheim (NÖ, Bezirk Horn) zur HB-Familie. In der Pflegeeinrichtung mit 700jähriger Tradition werden rund 100 Bewohnerinnen betreut.

2011

Am 3. März eröffnen Weihbischof DDr. Helmut Krätzl und NÖ Landesrätin Mag. Johanna Mikl-Leitner den Zubau des Clementinum in Kirchstetten (Bezirk St. Pölten-Land): Nunmehr werden hier insgesamt 114 hochbetagte, chronisch kranke Menschen betreut. Im anschließenden Basalen Tageszentrum für schwer mehrfachbehinderte Menschen können fünf weitere KlientInnen betreut werden.

Am. 10. Oktober eröffnen Erzbischof Dr. Christoph Kardinal Schönborn, NÖ-Landesrat Mag. Karl Wilfing und Bürgermeisterin Gertrude Riegelhofer das neue Haus der Barmherzigkeit Poysdorf (NÖ).

 

 

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